Fokus Biologische Vielfalt

von der Naturerfahrung zur politischen Bildung

Rotmilan (Illustration: Jan Bintakies)

Der Rotmilan

Majestät oder Müllschlucker?

Beides! Im 16. und 17. Jahrhundert genoss der Rotmilan in England königlichen Schutz, da er Aas und andere Reste fraß und so als „Müllabfuhr“ tätig war. In Frankreich bekam er sogar den Adelstitel „.Milan Royal“.

Foto: Milan © Frank / Fotolia.de

Foto: Milan © Frank / Fotolia.de

Systematik

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Art: Rotmilan (Milvus milvus)

Aussehen: Der Rotmilan erreicht eine Körpergröße von 65 cm und eine Flügelspannweite von bis zu 180 cm. Damit ist er etwas größer als ein Mäusebussard. Die Erkennungsmerkmale des Rotmilans sind das rotbräunliche Gefieder, sowie der rostrote Schwanz, den er beim Fliegen wie einen Fächer weit geöffnet hält und als Steuerruder benutzt. Der Gabelung seines Schwanzes hat der Rotmilan seinen Zweitnamen „Gabelweihe“ zu verdanken. Seine Flügelspitzen haben einen dunklen Schwarzton, sein Kopf ist hellgrau gefiedert mit einem großen, gelblichen Schnabel. Männchen und Weibchen haben die gleiche Färbung.

Nahrung: Der sehr geschickte und aktive Jäger frisst vorrangig Mäuse, kleinere Vögel und Fische. Zu seinen Beutevögeln gehören vor allem Stare, Drosseln und Tauben. Er fliegt meist im Segel- oder Gleitflug über die Felder und späht nach Nahrung. Entdeckt er seine Beute, fängt er sie im Flug, ohne zu landen. Zudem ernährt er sich von Aas und auf Müllhalden findet er Ratten oder tierische Abfälle.

Lebensweise: Für Nistplätze benötigt er Bäume, für die Nahrungsbeschaffung weite Flächen und Felder. Agrar- und Parklandschaften sowie Waldränder, die an weite offene Flächen grenzen, bieten ihm einen passenden Lebensraum. Mitte bis Ende April baut der Rotmilan aus Ästen, Zweigen und zunehmend auch Papier und Plastik sein Nest, Horst genannt, in einem Baum – bis in 20 Meter Höhe. Im frühen Oktober verlässt der Rotmilan seinen Nistplatz und fliegt Richtung Südwesten nach Spanien oder Nordafrika. Gegen Ende Februar kehren die größtenteils ziehenden Rotmilanpopulationen in ihre Brutgebiete zurück. Manchen Populationen ist es jedoch möglich, aufgrund von offenen Müllkippen und neuerdings auch schneearmen Wintern in ihren Nistgebieten zu überwintern.

Das Hauptverbreitungsgebiet des Rotmilans ist Mitteleuropa. Die höchste Anzahl an Brutpaaren kommt in Deutschland vor, was für uns eine hohe Verantwortung für seinen Fortbestand mit sich bringt.

Bedrohung und Schutz: Besonders der hohe Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Chemikalien in der Umwelt schadet dem Rotmilan, da er dadurch entweder schwer Beute findet oder selbst vergiftete Tiere frisst. Der nach Beute suchende Rotmilan verunglückt scheinbar häufiger als andere (Greif-)Vögel an Windkraftanlagen, sodass dies oft zu Konflikten zwischen Naturschutz und erneuerbaren Energien führt. Regelmäßig sterben zudem Tiere an Straßen, angelockt durch das Aas überfahrener Tiere, und auch an Strom- und Bahntrassen. In Deutschland und international steht er seit 2001 auf der Vorwarnliste für bedrohte Arten. Vogelschützer fordern eine Verringerung der Belastungen durch die Landwirtschaft, damit der Rotmilan wieder ausreichend Nahrung findet und diese auch gefahrlos fressen kann. Zusätzlich gibt es Gesetze, die den Bau von Windrädern in der Nähe von Brutplätzen verhindern, sodass weniger Gefahren durch Windräder drohen.