Fokus Biologische Vielfalt

von der Naturerfahrung zur politischen Bildung

Grünspecht (Illustration: Jan Bintakies)

Der Grünspecht

Fußgänger oder Flugkünstler?

Grünspechte haben eine 10 cm lange, mit einem Widerhaken versehene Zunge, mit der sie besonders gut ihre Lieblingsnahrung, Ameisen, unermüdlich aus dem Boden angeln können. Dort verbringen sie mehr Zeit, als in der Luft: Sie werden deshalb zu den Erdspechten gezählt.

Foto: NABU / Tom Dove

Foto: NABU / Tom Dove

Systematik

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
Familie: Spechte (Picidae)
Art: Grünspecht (Picus viridis)

Aussehen: Der Grünspecht erreicht eine Körpergröße von 32 cm und eine Fügelspannweite von bis zu 52 cm. Seine Erkennungsmerkmale sind sein hellgrün-graues Federkleid und eine auffällige rote Kappe mit einem schwarzen Streifen um die Augen. Der Bauchbereich und sein Hals sind hell gefiedert. Aufgrund der schwarzen Augenmaske trägt er den Spitznamen „Zorro“. Männchen haben einen rot-schwarzen Wangenfleck, welcher bei den Weibchen rein schwarz ist.

Nahrung: Kleine oder große, rote oder schwarze Ameisen – das ist dem Grünspecht egal, denn Ameisen sind sein Leibgericht. Mit seinem kräftigen Schnabel schlägt er Löcher in den Ameisenbau und führt seine klebrige, mit Widerhaken versehene Zunge hinein, an der die Ameisen und ihre Larven hängenbleiben. Er sucht seine Nahrung auf dem Boden, findet sie auf Weiden, Wiesen, in Parks und an Waldrändern und schnappt sich die Ameisen mit seiner 10 cm langen Zunge. Sogar im Winter bleibt er seiner (Fress-) Leidenschaft treu, denn er kann sich den Standort eines Ameisenbaus merken und findet ihn auch unter einer dünnen Schneedecke wieder.

Lebensweise: Der scheue Vogel hält sich wegen seiner Hauptnahrung, den Ameisen, häufig am Boden auf. Halboffene Waldstrukturen, wie zum Beispiel Auwälder und Streuobstwiesen, bieten dem Grünspecht einen geeigneten Lebensraum mit ausreichend Nahrung und Nistmöglichkeiten. In städtischen Parks und Gärten fühlt er sich zunehmend wohl. Neuerdings siedelt er sich auf stillgelegten Industrieflächen an, denn dort wachsen häufig lichte Birkenwälder, und Ameisen sind auch reichlich zu finden. Um seine Höhle zu errichten, benötigt der Grünspecht große, alte Bäume, in deren weichere Stellen er ein großes Eingangsloch hackt. Ab April beginnen Grünspechtpaare mit dem bebrüten der Eier, wobei Weibchen und Männchen sich gegenseitig ablösen.

Bedrohung und Schutz: Durch mehrere aufeinanderfolgende sehr kalte Winter hatte sich der Bestand des kälteempfindlichen Vogels stark vermindert. Bis 2008 stieg er wieder an, in den letzten Jahren gab es jedoch wieder einen abnehmenden Trend. Ob der Bestand weiter sinkt, ist abhängig von den zukünftigen Wintern, der Förderung von kleinstrukturellen Landschaftsformen wie Streuobstwiesen und somit dem Erhalt von Lebensraum des Grünspechtes. Mit Ausnahme von Irland, Teilen Skandinaviens und Weißrusslands ist der Grünspecht in ganz Europa zu Hause. Wir in Europa tragen also eine besondere Verantwortung für den Erhalt seiner Lebensräume.

Besonderheiten: Ganzjährig ist der laute Ruf „kjückkjückkjück“ zu hören, der an ein gellendes Lachen erinnert. Daher wird der Grünspecht auch Lachvogel genannt.