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Biber (Illustration: Jan Bintakies)

Der europäische Biber

Fisch oder Fleisch?

Um zur Fastenzeit Fleisch essen zu können, wurde der Biber im Mittelalter kurzerhand zum Fisch erklärt. Sein breiter und flacher schuppiger Schwanz erinnert an einen Fischkörper und diente als Entschuldigung.

Foto: Biber © fotoreisen.com / Fotolia.de

Foto: Biber © fotoreisen.com / Fotolia.de

Systematik

Klasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung
: Nagetiere (Rodentia)
Familie: Biber (Castoridae)
Art: Europäischer Biber (Castor fiber)

Aussehen: Ausgewachsen kann ein Biber eine Körpergröße von 130 cm und ein Gewicht von 30 kg erreichen. Seine Erkennungsmerkmale sind der platte, breite Schwanz, den er beim Schwimmen als Steuerruder benutzt, und die gelb-orangen Nagezähne. Die auffällige Farbe kommt von Eiseneinlagerungen in der obersten Zahnschicht, die diese zusätzlich verhärten. Der Biber besitzt braunes Fell und vier kurze Gliedmaßen, wobei die Vorderpfoten zum Greifen und die Hinterpfoten mit Schwimmhäuten ausgebildet sind. Er verbringt sehr viel Zeit im und unter Wasser. Dort schützt er seine Augen, indem er die Nickhaut, eine seitlich im inneren Augenwinkel sitzende Bindehautfalte, darüberstülpt.

Nahrung: Sträucher, Kräuter, Blätter, Knospen und besonders gerne Zweige von Weichhölzern wie Weiden und Pappeln stehen auf seinem Speiseplan – der Biber ernährt sich ausschließlich vegetarisch. Mit seinen scharfen Vorderzähnen nagt er Zweige oder die Rinde von Bäumen ab, die er anschließend verzehrt.

Lebensweise: Der Biber lebt in ruhigen, von Gehölz umgebenen Gewässern. Das Gehölz braucht er als Nahrung und zum Errichten seines Baus, einer sogenannten Biberburg. Deren Eingang liegt unter der Wasseroberfläche, sodass eine Biberfamilie dort gut vor Feinden geschützt ist. Dafür ist ein konstanter Wasserstand vonnöten, weshalb die die erwachsenen Tiere oft Fließgewässer stauen, indem sie einen Damm anlegen. Eine Biberfamilie besteht aus einem Paar und meist zwei Biberjungen. Der Biber ist monogam, das heißt, ein Biberpaar geht eine lebenslange Beziehung ein.

Bedrohung und Schutz: Früher wurde der Biber aufgrund seines Pelzes von Menschen gejagt. Später machte ihm in Deutschland der große Schwund seines Lebensraums zu schaffen, sodass er hier als gefährdet eingestuft ist. International gelten Europäische Biber nicht als gefährdet, da in Nord- und Osteuropa noch große Populationen vorkommen. Die Hauptgefahr besteht für Jungtiere durch Greifvögel oder Raubfische. Heutzutage ist auch der Straßenverkehr eine große Gefahr, insbesondere für Jungtiere, da diese auf Reviersuche häufig befahrene Straßen überqueren müssen.

In Deutschland haben viele Wiederansiedlungsprojekte eine neue Lebensgrundlage für den Europäischen Biber ermöglicht. Vielerorts werden die Aktivitäten des Bibers überwacht, um Konflikten mit der Landschaftsnutzung, Maschinen und Menschen entgegenzuwirken. Die Beobachtung der Biberpopulationen in einem Gebiet übernehmen z.B. freiwillige Bibermanager. Sie vermitteln zwischen Interessensgruppen und bieten oft auch Biberspuren-Führungen an (Kontakt über Gemeindeämter oder lokale Naturschutzvereine).

Besonderheiten: Der Biber trägt mit seinem Biberdamm aktiv zur Landschaftsgestaltung bei und schafft sogar neue Lebensräume für andere Tier- und Pflanzenarten. Er ermöglicht eine Koexistenz von Arten, die in stehenden oder fließenden Gewässer vorkommen. Durch seine Fällarbeiten legt er natürliche Waldlichtungen an, was zusätzlich die Artenvielfalt fördert und neuen Pflanzen Platz zum Wachsen gibt.