Fokus Biologische Vielfalt

von der Naturerfahrung zur politischen Bildung

Bläuling (Illustration: Jan Bintakies)

Der Ameisenbläuling

Freund oder Feind?

Die Raupen der Ameisenbläulinge täuschen durch ein chemisches Signal Knotenameisen. Die Ameisen halten die Raupen für ihren Nachwuchs und tragen sie in ihren Bau. Dort überwintern die Raupen, werden gefüttert und fressen sogar Ameisenlarven.

Foto: Heinrich Werner

Foto: Heinrich Werner

Systematik

Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Bläulinge (Lycaenide)
Art: In Deutschland kommen fünf verschiedenen Arten vor (siehe Tabelle unten).

Aussehen: Eine Flügelspannweite von bis zu 40 Millimetern erreichen die Ameisenbläulinge. Unter den einzelnen Arten variiert das Aussehen zwischen hellen und dunklen Braun-Grautönen sowie die Anzahl und Standorte der Punkte auf den Flügeln. Männliche Bläulinge haben an den Flügelenden vermehrt dunkle Stellen, wohingegen die Weibchen eher hell gefärbt sind.

Lebensweise und Nahrung: Im Frühsommer legen die Weibchen die Eier auf die noch geschlossenen Blüten ihrer Wirtspflanzen. Wenn die Raupe geschlüpft ist und einige Zeit auf der Pflanze gelebt und von ihr gefressen hat, lässt sie sich fallen. Über ein chemisches Signal wird nun die Larve von Ameisen irrtümlich als eine Larve ihrer eigenen Art erkannt, woraufhin sie diese in ihren Ameisenbau tragen. Dort ernährt sich die Raupe von der Ameisenbrut bzw. dem dieser zugedachten Futter und verpuppt sich. Nachdem der Schmetterling fertig entwickelt geschlüpft ist, verlässt er schnellstmöglich den Bau, um nicht von den Ameisen angegriffen zu werden. Er ernährt sich am liebsten vom Nektar der jeweiligen Wirtspflanze. Der Name der Ameisenbläulinge richtet sich nach ihren Wirtspflanzen, die zugleich Eiablage und erster Lebensort für die Raupen sind.

Art (und Wirtspflanze) Lebensraum Wirtsameise:
Lungenenzian-Ameisenbläuling (Maculinea alcon) Feuchtwiesen Rote Gartenameise (Myrmica rubra), Waldknotenameise (Myrmica ruginodis)
Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous bzw. Glaucopsyche nausithous) Feuchtwiesen Rote Gartenameise (Myrmica rubra), Myrmica samaneti oder Trockenrasen-Knotenameise (Myrmica scabrinodis)
Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius bzw. Glaucopsyche teleius) Feuchtwiesen Trockenrasen-Knotenameise (Myrmica scabrinodis)
Thymian-Ameisenbläuling (Maculinea arion) Trocken- und Halbtrockenrasen Myrmica schencki, Trockenrasen-Knotenameise (Myrmica scabrinodis)
Kreuzenzian-Ameisenbläuling (Maculinea rebeli) Kalktrockenrasen Myrmica schencki

Bedrohung und Schutz: Alle fünf Arten gelten in Deutschland und international als gefährdet und sind streng geschützt. Trocken- und Feuchtwiesen, der Hauptlebensraum der Ameisen und Wirtspflanzen werden immer weniger, was auch die Populationen der Ameisenbläulinge mindert. Die lebenswichtige Abhängigkeit der Ameisenbläulinge von der Existenz bestimmter Pflanzen- und Ameisenarten führt uns komplizierte ökologische Zusammenhänge anschaulich vor Augen: Wenn eine Art wegfällt, verlieren wir meist auch andere.

Die Wiederherstellung der Ameisenbläuling-Habitate wird lokal stark gefördert. Wiesen werden seltener gemäht und auf den Einsatz schwerer Maschinen wird verzichtet, sodass die Wirtspflanzen ausreichend erhalten bleiben. Gleichzeitig darf die Vegetation nicht zu hoch wachsen, damit auch die Wirtsameisen ausreichend dichte Vorkommen bilden.